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digimax by Patrick Motsch

Make-or-Buy

Standardsoftware vs. Individualentwicklung – die ehrliche Entscheidungshilfe

Wann lohnt sich ein kommerzielles Tool, wann eine Eigenentwicklung? Wir sortieren die Kriterien, die in der PV-Branche wirklich zählen – ohne ideologische Voreinstellung.

"Sollen wir uns selbst etwas bauen lassen oder ein bestehendes Tool nehmen?" – das ist eine der häufigsten Fragen, die wir in Erstgesprächen hören. Und es gibt darauf keine pauschale Antwort. Es gibt aber sehr klare Kriterien, an denen sich entscheidet, was im konkreten Fall sinnvoll ist.

Wichtig: Wir verdienen unser Geld mit individueller Softwareentwicklung. Eigentlich müssten wir Ihnen erzählen, dass Eigenentwicklung immer besser ist. Tun wir aber nicht – weil das nicht stimmt. In bestimmten Konstellationen ist ein kommerzielles Produkt klar die bessere Wahl. Es ist Teil unserer Beratungsethik, das auch zu sagen.

Wann Standardsoftware die richtige Wahl ist

  • Standardisierte Prozesse

    Buchhaltung, Lohnabrechnung, Office, E-Mail – alles Themen, in denen Ihr Betrieb dieselbe Logik braucht wie 10.000 andere Betriebe. Hier wäre Eigenentwicklung Verschwendung.

  • Geringe Differenzierung

    Wenn ein Prozess nicht wettbewerbsentscheidend ist, gibt es keinen Grund, ihn anders abzubilden als andere. Standard reicht.

  • Schneller Roll-out nötig

    Wenn Sie in 4 Wochen produktiv sein müssen und die Anforderungen mit Standard abdeckbar sind, ist Eigenentwicklung zeitlich oft nicht realistisch.

  • Kleines Nutzervolumen

    Bei 2–5 Nutzern lohnt sich Eigenentwicklung wirtschaftlich oft nicht. User-Lizenzkosten bleiben in dieser Größe überschaubar.

  • Etablierte Standards

    Bei Funktionen mit klaren Branchenstandards (z.B. GoBD-konforme Buchhaltung) liefern Standardprodukte oft die zuverlässigere Lösung – inkl. Updates bei Gesetzesänderungen.

Wann Eigenentwicklung die richtige Wahl ist

  • Wettbewerbsentscheidende Prozesse

    Wenn ein Prozess das ist, was Sie vom Wettbewerb unterscheidet (z.B. besonderer Konfigurator, einzigartiger Service-Workflow), darf das System genau dem folgen – nicht der Standard-Logik.

  • Hohes User-Volumen

    Ab 25–40 Nutzern wird die User-Lizenzkosten-Rechnung typisch erst spannend. Bei Eigenentwicklung entfallen diese Kosten dauerhaft.

  • Stark abweichende Datenmodelle

    Wenn Ihre Realität (PV-Anlagen mit Modulen/WR/Speicher/Garantien/EEG-Logik) nicht in Standard-ERP-Datenmodelle passt, sind die Workarounds in Standardsoftware oft teurer als eine Eigenentwicklung.

  • Langfristige strategische Themen

    Wenn ein System 10+ Jahre tragen muss und die Geschäftsstrategie sich entwickelt, ist die Anpassbarkeit einer Eigenentwicklung wirtschaftlicher als immer neue Hersteller-Limits.

  • Datenhoheit nicht verhandelbar

    Wenn Ihre Kunden- oder Anlagendaten zwingend in deutscher Cloud (oder On-Premises) bleiben müssen, schränken viele kommerzielle SaaS-Lösungen aus.

  • Skalierungsanforderung

    Wenn Sie wachsen wollen und die Personaldecke nicht linear mitwachsen soll, hilft tiefe Automatisierung – die in Standardsoftware oft nicht möglich ist.

Die Hybrid-Variante

In der Praxis ist die häufigste Antwort: beides. Wir sehen bei Kunden regelmäßig folgendes Setup: Buchhaltung und Lohnabrechnung über Standardprodukte (DATEV, Lexware, SevDesk), generische Office-Funktionen über kommerzielle Tools (Microsoft 365, Google Workspace) – und gleichzeitig eine individuell entwickelte Plattform für die wettbewerbsdifferenzierenden Kern-Prozesse (Angebotskonfigurator, Service-Plattform, Kundenportal).

Diese Hybrid-Strategie kombiniert die Vorteile beider Welten: Bewährte Standardlösungen für Themen, die in jedem Betrieb gleich aussehen, und maßgeschneiderte Lösungen für die Prozesse, die Sie vom Wettbewerb unterscheiden. Schnittstellen verbinden die Welten so, dass keine Daten doppelt erfasst werden müssen.

Häufige Fragen

Antworten auf Ihre Fragen

Alles, was Sie über die Zusammenarbeit mit digimax wissen müssen.

Wie viel kostet eine Eigenentwicklung im Vergleich zu Standardsoftware?

Schwer pauschalisierbar, aber die Kostenstruktur unterscheidet sich grundlegend: Eigenentwicklung bedeutet höhere Initialinvestition und niedrigere oder keine laufenden Lizenzkosten. Standardsoftware bedeutet niedrigere Anfangsinvestition (Einrichtung) und höhere laufende Kosten – die typischerweise mit Nutzerzahl skalieren. Über mehrere Jahre und ab einer bestimmten Mitarbeiterzahl kippt die TCO-Rechnung oft in Richtung Eigenentwicklung. Im Erstgespräch rechnen wir das mit Ihren konkreten Zahlen durch.

Wie lange dauert eine Eigenentwicklung?

Erste produktive Version typischerweise nach 8–16 Wochen. Vollständige Funktion 6–18 Monate. Im Vergleich zu Standardsoftware-Einführungen (oft 4–12 Wochen Initial-Roll-out) ist das länger, aber nicht so viel wie oft angenommen.

Wie groß ist das Risiko von Eigenentwicklung?

Realistisch betrachtet überschaubar – wenn Sie mit einem erfahrenen Partner arbeiten, in Iterationen entwickelt wird und die Anforderungen iterativ geschärft werden. Hauptrisiko ist falsche Partnerwahl und unklare Anforderungen, nicht die Eigenentwicklung als Konzept.

Können wir Eigenentwicklung und Standardsoftware kombinieren?

Ja, das ist sogar der häufigste Fall. Buchhaltung über Standardprodukt, CRM individuell, Konfigurator individuell, Monteur-App individuell – verbunden über APIs. Diese Hybrid-Strategie funktioniert in der PV-Branche besonders gut.

Was passiert, wenn der Entwicklungspartner ausfällt?

Bei sauberer Eigenentwicklung gehört der Quellcode Ihnen, ist dokumentiert und nutzt Standardtechnologien (Vue, Node.js, PostgreSQL). Jeder kompetente Webentwickler kann übernehmen. Bei kommerzieller Software haben Sie diese Wahl nicht – Sie sind vom Hersteller abhängig.

Make-or-Buy für Ihren konkreten Fall?

Im 15-Minuten-Sparring sortieren wir, welche Themen sich für Eigenentwicklung lohnen – und wo Sie besser Standardsoftware nehmen.